Leben lernen - mit unseren Gelübden

 

Unsere Gemeinschaft ist eine "Schule für den Dienst am Herrn" (RB Prol. 45). In ihr wollen wir miteinander das Leben in umfassendem Sinn lernen. Wir wagen dies, weil wir den Ruf Gottes in uns gehört haben und geben Antwort durch unsere Verantwortung, die wir für uns selbst, unsere Gemeinschaft und unser

geistliches Leben übernehmen.

 

Wir wissen, daß wir dies nicht aus eigener Kraft, sondern nur mit Hilfe Gottes und der Brüder tun können.

 

Voraussetzung dafür ist der "gute Eifer" (RB 72,2; 58,7 ff.), mit dem wir Gott in unserem Alltag suchen.

 

Er zeigt sich im Einsatz, im guten Willen und in der Sorge für das Gebet und die Arbeit, in unablässigem Versuch miteinander Schwierigkeiten zu ertragen und in dem hingebenden Hören auf Gott und aufeinander.

 

Als Antwort auf den Ruf Gottes und als Zeichen der Treue zu unseren Brüdern binden wir uns durch feierliche Gelübde nach der Regel des Heiligen Benedikt vor Gott, seinen Heiligen und unseren Brüdern, die uns gegenseitig Halt und Stütze geben. Diese Gelübde sind uns Hilfe auf dem Weg der Menschwerdung nach dem Beispiel Jesu Christi.

 

Stabilitas (Beständigkeit) (vgl. RB 58,17) - stabilitas in congregatione (Beständigkeit in der Gemeinschaft) (vgl. RB 4,78)

 

Die stabilitas hilft uns auf dem gemeinsamen Weg des Glaubens immer beständiger zu werden. Deshalb geloben wir an der Selbstverantwortung und Mitverantwortung, die sich einander bedingen und nicht widersprechen, zu arbeiten, um mehr und mehr zu wachsen.

 

Die Treue gegen Gott bedingt die Treue eines jeden einzelnen zu sich selbst und zur brüderlichen Gemeinschaft. Wenn wir den Weg dieser stabilitas

gehen, suchen wir in dieser Zeit Beständigkeit, Verläßlichkeit, Glaubensstärke, Vertrauen und Hingabe zu leben. Der Ort unseres Klosters und die Gemeinschaft ist die "Werkstatt", in der wir dies tagtäglich einüben können (vgl. RB 4,78).

 

Die persönliche Armut und die Besitzlosigkeit hilft uns dazu, unsere stabilitas mehr in unserem geistlichen Leben und in der brüderlichen Gemeinschaft zu suchen, als in äußerem, materiellem Besitz.

 

Conversatio morum (Klösterlicher Lebenswandel)

 

Das Gelübde des klösterlichen Lebenswandels hilft uns, in Ergänzung zum Gelübde der stabilitas, täglich und immer neu die Umkehr und das Neuwerden zu leben. Dieses Gelübde ist die Antwort auf den immer neuen Anruf Gottes, der an jeden einzelnen und an unsere Gemeinschaft ergeht.

Der klösterliche Lebenswandel hilft uns, unsere Denk- und Handlungsmuster immer wieder zu hinterfragen, um die beständige Bekehrung, die Hinwendung zu Gott und den Brüdern zu fördern.

 

Wir glauben daran, daß unser klösterlicher Lebenswandel ein immer neues Geschenk von Gott selbst ist, der uns in Jesus Christus, durch die Taufe und vor allem durch die Feier der Eucharistie diese Wandlung zugesagt hat (vgl. Gal 3,27).

 

In der Feier der Eucharistie, im Geheimnis der Wandlung, erkennen wir das Urbild unseres Lebenswandels (vgl. 1 Kor 10,17).

 

Der klösterliche Lebenswandel braucht die immer neue Suche nach Gott und die Fähigkeit, sich von Gott, den Brüdern und allen Ereignissen anrühren zu lassen.

 

Oboedientia

 

Wir wissen, daß wir nicht leben und in unserem Menschsein wachsen können, wenn wir nicht mehr und mehr lernen auf Gott, auf die Brüder und auf uns selbst zu hören. Dieses aufmerksame Lauschen ist die Voraussetzung für das gemeinsame Hören, für den Gehorsam. Wir erweisen vor allem Gott diesen Gehorsam (vgl. 1 Sam 3,10).

 

Nur aus der Haltung des Hörens und Gehorsams gegenüber Gott kann der Gehorsam erwachsen, den wir dem Oberen und auch unseren Brüdern erweisen.

 

Das tragende Element aller drei Gelübde ist die Liebe, die wir zu Gott und zueinander haben (vgl. Röm 13,10). Die drei Gelübde erfahren wir zwar immer wieder als Einschränkung unseres Lebens, aber gleichzeitig erfahren wir, daß sich dadurch unser menschliches und geistliches Leben voll entfalten kann. Dieser Weg der Menschwerdung nach dem Bild Jesu Christi führt zur Freude und zum ewigen Leben (vgl. RB 7,67 ff).