Gemeinschaft

 

Unsere Gemeinschaft will als Kirche im Kleinen ein Abbild des einen und dreifaltigen Gottes sein, der die Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,16). Die Liebe allein schafft die Gemeinschaft und ist Voraussetzung für den Glauben des einzelnen und von uns allen. Dies bekennen wir am Anfang der Gebetszeiten und am Ende im trinitarischen Lobpreis (vgl. RB 9,2; 9,7; 11,3). Dies verwirklichen wir durch die vier Prinzipien: Solidarität, Pluralismus, Autorität und Subsidiarität nach der Regel des hl. Benedikt in unserem Alltag (vgl. De Waal, Esther, Gott suchen im Alltag. Münsterschwarzach, S.131).

 

Solidarität - Die Einheit fördern

 

Solidarität bedeutet, daß wir uns die gegenseitige brüderliche Liebe selbstlos erweisen (vgl. RB 72,8). Jeder Bruder ist in jedem Lebensbereich der Gemeinschaft (spirituell, liturgisch, sozial, wirtschaftlich) gleichermaßen betroffen und verantwortlich.

Keiner kann für sich selbstwählerisch und egoistisch etwas beanspruchen oder sich einer Verantwortung entziehen.

 

Wir wollen aber keine Konformität und Gleichmacherei.

 

Pluralismus - Vielfalt fördern

 

Unsere Regel sagt, daß jeder seine eigene Gabe von Gott hat (vgl. RB 40,1), die geachtet werden muß.

 

Wir erkennen deshalb jeden Bruder an in seiner Eigenart, mit seinen Fähigkeiten, Gaben und Schwierigkeiten und lieben ihn so wie er ist. Wir geben ihm Raum in unserer Gemeinschaft und in unserem Herzen. Die Achtung der Vielfalt der Brüder ist die Grundlage unserer Solidarität.

 

Autorität - Verantwortung fördern

 

Damit Gemeinschaft und Individuum in gutem Maß (discretio) sich gegenseitig fördern und nicht hindern, wird in unserer Gemeinschaft durch den Oberen und alle Verantwortlichen Autorität ausgeübt. Sie ist getragen von der Liebe und dem Vertrauen aller Brüder und leitet sich im letzten von Gott

her, dem wir alle Rechenschaft schulden (vgl. RB 64,7).

 

Wer leitet und die Verantwortung eines Amtes hat, soll bestmöglich alle informieren, möglichst viele an Planungen beteiligen, menschliche und geistliche Strukturen schaffen, die Zusammenarbeit ermöglichen und Erfolge nicht nur als sein Verdienst, sondern als das Werk aller betrachten. Jede wichtige Angelegenheit, die alle betrifft, muß von allen beraten werden. Es sind alle zu hören, "weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist" (RB 3,3).

 

Der Dienst des Oberen wird durch Wahl aller Brüder einem übertragen (vgl. RB 64,1 f.). Sie wird von der rechtmäßigen Autorität der Kirche bestätigt und gestützt. So wie die Kirche mit der Klostergemeinschaft solidarisch ist, so ist diese solidarisch mit der Kirche.

 

Subsidiarität - Selbständigkeit fördern

 

Das Prinzip echter Autorität bedingt die Subsidiarität.

 

Benedikt delegiert Verantwortung und Handlungsfreiräume an einzelne und Gruppen (vgl. RB 21; 31; 53,21 f.; 62; 65). Durch das gemeinsame Hören und den Gehorsam sollen einzelne und Gruppen ermutigt werden, selbständig zu handeln, Probleme zu lösen und Aufgaben zu erfüllen, ohne sie an andere Brüder oder "höhere Autoritäten" zu delegieren.

 

Die Subsidiarität erweist sich durch das eigenständige Denken und Handeln als das tragende Prinzip der Solidarität in der Gemeinschaft.