... in Beziehung kommen ...

Europakloster Gut Aich stellt Ideen aus dem Zukunftsprozess für den Neubau des Klosters in Winkl vor

An die 80 Nachbarinnen und Nachbarn folgten am 24. Juni 2022 der Einladung des Klosters und der Gemeinde St. Gilgen und informierten sich über die Ideen des Zukunftprojektes „Europakloster Gut Aich 2030“. Es soll neben dem Klosterneubau mit Kirche und Gästehaus, die Kräutermanufaktur Moarhof entstehen und in weiterer Folge auch Wohnen im Alter sowie leistbare Wohnungen. Das erste Projekt, das realisiert werden soll, ist ein Nahwärmeheizwerk im Süden von Winkl.

Als das Europakloster Gut Aich vor mittlerweile fast 30 Jahren in St. Gilgen im Ortsteil Winkl gegründet wurde, war dies die erste Klosterneugründung in Österreich seit 500 Jahren. Pater Johannes Pausch und Br. Thomas Hessler übernahmen das ehemalige Kinderheim der Schwestern von Au am Inn, die ihre wertvolle Arbeit nicht mehr weiterführen konnten und den Ort in die Hände der Benediktinermönche legten.

„Miteinander leben, beten und arbeiten. Seit wir hier sind, machen wir das“, sagt Pater Johannes Pausch, der ehemalige Prior des Klosters. „Das, was wir bisher gemacht haben, wollen wir auch weiterführen. Ich habe mein Zuhause in Winkl gefunden und wir wollen auch anderen Menschen ein Zuhause bieten, wo sie in Frieden leben und arbeiten können.“

In den letzten drei Jahrzehnten baute die kleine Mönchsgemeinschaft das Kloster zu einem Ort der Beziehung aus. Neben den spirituellen Angeboten entstanden an die 35 Arbeitsplätze für Menschen in der Region in den Bereichen der Heilmittelproduktion, im Gästebetrieb und im Hildegard-Zentrum. Die Angebote des Klosters sind nachgefragt und der Platz sehr begrenzt. „Wir platzen aus allen Nähten! Die Kirche ist zu klein, die Produktionsstätten für die Kräuterprodukte reichen nicht aus und auch die Mitarbeiter*innen haben sich bessere Arbeitsbedingungen verdient“, schildert Br. Thomas Hessler, Leiter des Klosters, die aktuelle Situation. Auch für Br. Thomas ist ein friedliches Miteinander zentral: „Wir sind nach Winkl gekommen, um an einem offenen Haus Europa mitzubauen. Seit 30 Jahren schaffen wir Räume und Orte der Begegnung und Beziehung dafür. Es hat sich gelohnt, denn Menschen kommen gerne an diesen wunderbaren Ort, auch um hier wieder aufzutanken und gesund zu werden. Seit Anfang an hatten wir das Ziel, ein neues Kloster zu bauen. Bislang ist es noch nicht gelungen, denn der Mensch denkt und Gott lenkt. Friede muss jeden Tag auf’s Neue erarbeitet werden und beginnt mit dem Frieden im eigenen Herzen und einer guten Nachbarschaft.“

Zuhören und Hinhorchen
„Wir bedanken uns bei allen Winklerinnen und Winklern für das Wohlwollen, das sie uns immer entgegengebracht haben und bitten darum, dass sie uns auch weiter unterstützen“, so Br. Thomas weiter. „Wir brauchen eure Meinung und eure Kritik, damit ein gutes Miteinander gelingt“, ruft Pater Johannes die Winkler*innen zur Beteiligung auf.

Neben Infoveranstaltungen, die es im Vorfeld sämtlicher behördlichen Verfahren geben wird, richtet das Europakloster eine Hotline ein, bei der sich alle Nachbar*innen melden können. Zunächst wird diese Hotline als E-Mail Adresse eingerichtet, die in regelmäßigen Abständen abgerufen und Fragen zeitnah beantwortet werden. Zu einem späteren Zeitpunkt wird auch eine eigene Telefonnummer dazukommen.

Einzigartiges Zukunfts-Projekt
Unter 10 Architekten hat sich die Mönchsgemeinschaft den Vorarlberger Architekten Kaufmann ausgesucht, um ihre Vision in ein erstes städtebauliches Konzept, eine sogenannte Baukörper-Studie zu gießen. „Für mich ist das Projekt einzigartig. An einem Klosterneubau mitgestalten zu können, ist nicht nur eine architektonisch interessante Aufgabe, sondern für den ganzen Ort ein wichtiger Schritt in die Zukunft,“ erläutert Architekt Kaufmann seine Motivation.
Das neue Kloster soll beim Paradiesgarten situiert werden und aus den drei Teilen Kloster, Kirche und Gästehaus bestehen. „Klöster brauchen eine solide wirtschaftliche Grundlage und im Fall des Europaklosters ist es mit der Kräuterproduktion gelungen, diese zu schaffen. Den ‚Moarhof‘ wollen wir ins Gelände integrieren und das Dach mit einem Kräutergarten begrünen. Die Fläche, die verbaut wird, wächst am Dach nach. Gesundheit und Wohnen wird der dritte Schwerpunkt rund um das Hildegardzentrum sein. Neben Wohnen im Alter nach dem Modell der Hausgemeinschaften soll es auch ein weiteres leistbares Wohnangebot für junge Familien geben.“ „Klöster haben immer Antworten auf die Nöte der Zeit gesucht. Heute haben es Senior*innen, Menschen mit Behinderung und auch junge Familien am Wohnungsmarkt besonders schwer. Deswegen wollen wir unseren Grund teilen und dadurch diesen Menschen ein neues und leistbares Zuhause ermöglichen“, erklärt Br. Thomas die Motivation des Klosters Wohnangebote zu errichten.

Auch für den Dorfentwicklungsplaner DI Georg Zeller ist das städtebauliche Konzept gelungen: „Die drei Bereiche Kloster, Kräuterproduktion und Wohnangebot verbinden die einzelnen Ortsteile in Winkl und festigen dadurch den Ortscharakter. Auch die vom Landschaftsplaner angeregte intensive Bepflanzung, eine ‚Durchgrünung‘ mit Bäumen unterstreicht dies.“

Die Dorfentwicklung soll außerdem durch eine kleine Gaststätte gefördert werden, die im Bereich des Gästehauses im Kloster situiert werden soll – ein „wichtiger Begegnungsort, wo es auch noch einen kleinen Dorfladen geben soll“, ergänz Br. Thomas.

Bürgermeister Otto Kloiber hebt hervor, dass „Winkl mit diesem Projekt die Chance hat, dass hier nun ein Ort mit einem Zentrum entstehen kann.“ Als Bürgermeister wird er darauf achten, dass die Dorfgemeinschaft mit ihren Anliegen und Bedenken gehört wird. Er freut sich, dass dem Kloster und dem Architekten eine fundierte und durchdachte erste Gebäudestudie gelungen ist und ist zuversichtlich, dass gemeinsam Lösungen gefunden werden.

Sie haben eine Frage zum Zukunftsprozess, ein Anliegen?
Bitte, kontaktieren Sie uns unter:

gutaich@europakloster.com mit dem Betreff: Gut Aich 2030
Wir melden uns bei Ihnen.

Die Geschichte vom Anfang(en)
„Seit dem ersten Tag kommen Menschen mit ihren Sorgen und Nöten zu uns.“
Als P.J. und Br. Thomas nach Gut Aich kamen, bewegte sie die Frage nach dem, was nun konkret zu tun sei. Für P.J., der aus der Tradition eines großen Klosters kam, war die Frage schnell beantwortet: „die ersten Menschen, die an unserer Pforte läuten, werden den Kurs vorgeben“. 
Kurze Zeit später läutete es an der Tür. Draußen standen Wanderer, die nach dem Pilgerweg auf den Falkenstein fragten. Die Mönche, die erst wenige Wochen vorher an den neuen Ort gekommen waren, hatten noch keine Antwort parat; es war ihnen noch gar nicht bewusst, dass ihr Kloster an einem uralten Heilweg lag. Aber sie wussten, in welcher Richtung der Falkenstein und St. Wolfgang war.
Sie mussten einen Weg weisen, der ihnen selbst noch nicht bekannt war.
Und das ist auch jetzt so: wir ahnen den Weg des neuen Projektes „Europakloster Gut Aich 2030“, aber genau kennen wir ihn noch nicht.
Aus dieser Grundhaltung heraus hat sich all das entwickelt, was das Europakloster Gut Aich heute ausmacht mit all seinen Angeboten und Menschen, die hier leben und arbeiten.